Ein unterschätztes Werkzeug für die Erstellung passgenauer, barrierefreier Lernumgebungen ist die visuelle Programmiersprache Scratch. Während diese kostenlose, browserbasierte Programmiersprache oft primär dem Informatikunterricht zugeordnet wird, entfaltet es im Kontext der Inklusion eine besondere Stärke: die Transformation von Lehrkräften und Schülern von passiven Nutzern zu aktiven Gestaltern eigener Lernmittel.
Die Vielseitigkeit von Scratch auf dem iPad
Scratch ermöglicht es, durch das logische Verknüpfen von Code-Blöcken interaktive Inhalte zu erstellen. Auf dem iPad kombiniert diese Form des Codings die haptische Bedienung mit multimedialen Möglichkeiten. Dies erlaubt die Erstellung von Anwendungen, die exakt auf die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf zugeschnitten sind.
Praktische Umsetzungsbeispiele
Die Bandbreite der Möglichkeiten reicht von einfachen Visualisierungshilfen bis hin zu komplexen, haptischen Lernstationen:
- Das sprechende Kalenderblatt: Durch die Kombination von Symbolen und Sprachausgabe wird die zeitliche Orientierung unterstützt. Ein Klick auf den Wochentag löst die akustische Benennung aus.
- Der Klassenzimmer-Timer: Ein visuelles und auditives Werkzeug zur Strukturierung von Arbeitsphasen. Die Zeit wird nicht nur als Zahl, sondern als sich veränderndes visuelles Element dargestellt.
- Schreib- und Wortschatzübungen: Interaktive Übungen, bei denen Punkte in der richtigen Reihenfolge „abgeräumt“ werden müssen, fördern die Feinmotorik und Auge-Hand-Koordination. Eigene Wortschatzsammlungen können mit Audio-Feedback (z. B. Benennen von Obstsorten) hinterlegt werden.
- Physikalisches Computing mit Makey Makey: Durch die Erweiterung mit dem Makey-Makey-Board können physische Gegenstände (wie Wasser oder leitfähige Knete) als Eingabegeräte genutzt werden. Ein Beispiel ist das „Wasserklavier“, bei dem Berührungen im Wasser Töne auf dem iPad auslösen.
Fazit
Scratch ist weit mehr als ein Programmierlernprogramm. Es kann zu einem mächtigen Autorenwerkzeug werden, um Barrieren abzubauen und individualisierte Lernerfolge zu ermöglichen. Die Kombination aus iPad und physischen Erweiterungen wie Makey Makey macht digitale Inhalte greifbar und inklusiv.