Zuordnungsübungen gehören zu den anschulichsten Aufgabenformaten im Unterricht: Bild und Wort, Menge und Zahl, Begriff und Oberbegriff werden einander zugeordnet. Mit dem Schiebesachen-Editor lassen sich solche Übungen barrierearm und multimedial gestalten. Mit anpassbaren Schriften, eigenen Bildern, eigenen Audioaufnahmen und optionaler Sprachausgabe. Das Ergebnis ist eine einzelne HTML-Datei, die kostenlos, ohne Anmeldung und datenschutzkonform eingesetzt werden kann.
Zum Online Editor: https://lernsachen.online/schiebesachen
Taskcard mit Beispielen fertiger Übungen: https://bycs.link/schiebesachen
Github Repository mit Download Option: https://github.com/Majort0m0/Schiebesachen
Warum noch ein Editor?
Schon wieder eine selbst entwickelte App. Und dazu für ein Aufgabenformat, das es längst gibt? Das werden einige zu Recht anmerken: Werkzeuge wie H5P oder LearningApps bieten seit Jahren Zuordnungsübungen an.
Im Einsatz an der Förderschule hat mir bei diesen Werkzeugen jedoch immer etwas gefehlt. Vermisst habe ich vor allem folgende Funktionen:
- die Anpassung der Schriften an die Lesevoraussetzungen der Lernenden
- eine einfache, direkt integrierte Bildersuche
- die unkomplizierte Verwendung eigener Bilder, etwa Fotos aus dem Klassenzimmer
- das Einbinden eigener Audioaufnahmen
- eine optionale Sprachausgabe
Hinzu kam ein zweiter Anspruch: Die Bedienung sollte so einfach und intuitiv wie möglich sein. Eine Übung soll in wenigen Minuten entstehen, ohne Einarbeitung in umfangreiche Menüs. Aus diesen Anforderungen ist der Schiebesachen-Editor entstanden.
Der Schiebesachen-Editor im Überblick
Mit Schiebesachen erstellen Lehrkräfte interaktive Zuordnungsübungen, bei denen Lernende Elemente an die passende Stelle schieben. Die Elemente können aus Text, Bild und Ton bestehen, einzeln oder kombiniert.
Funktionen
- Anpassbare Schriften: Schriftart und Schriftgröße lassen sich an die Lesevoraussetzungen der Lerngruppe anpassen.
- Integrierte Bildersuche: Passende Bilder werden direkt im Editor gesucht und eingefügt. Das separate Herunterladen und Abspeichern entfällt.
- Eigene Bilder: Fotos und Grafiken vom eigenen Gerät lassen sich einbinden, etwa Aufnahmen von Gegenständen aus dem Klassenzimmer oder in der Klasse verwendete Symbole.
- Eigene Audioaufnahmen: Zu den Elementen können Tonaufnahmen hinterlegt werden, zum Beispiel ein eingesprochenes Wort.
- Optionale Sprachausgabe: Texte lassen sich auf Wunsch vorlesen. Die Funktion wird je nach Übungsziel aktiviert oder deaktiviert.
- Einfache Bedienung: Der Editor beschränkt sich auf die Schritte, die für eine Zuordnungsübung nötig sind.
Weitere Eigenschaften
- Kostenlos: Es fallen weder Lizenzkosten noch Abonnements an.
- Datenschutzkonform: Es werden keine personenbezogenen Daten verarbeitet (Details im Abschnitt Datenschutz).
- Flexibel einsetzbar: Jede Übung wird als einzelne HTML-Datei gespeichert und lässt sich auf unterschiedlichen Wegen bereitstellen (Details im Abschnitt Praktische Umsetzung).
Sonderpädagogischer Bezug
Zuordnen ist eine grundlegende kognitive Operation: Gleiches wird erkannt, Zusammengehöriges verbunden, Begriffe werden gebildet. Für viele Schülerinnen und Schüler ist das Format daher ein besonders hillfreicher Zugang zu Lerninhalten, insbesondere in den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung, Lernen, Sprache und Hören.
- Multimodalität im Sinne des Universal Design for Learning (UDL): Inhalte werden gleichzeitig als Text, Bild und Ton angeboten. Lernende nutzen den Zugangskanal, der ihren Voraussetzungen entspricht.
- Teilhabe ohne Lesekompetenz: Bilder, Audioaufnahmen und Sprachausgabe ermöglichen es auch nicht oder wenig lesenden Schülerinnen und Schülern, Übungen selbstständig zu bearbeiten.
- Lebensweltbezug durch eigene Bilder: Im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung fällt der Transfer von abstrakten Symbolen auf reale Gegenstände oft schwer. Fotos aus der eigenen Umgebung (Klassenzimmer, Schulküche, Pausenhof) erleichtern das Wiedererkennen.
- Vertraute Stimme: Eigene Audioaufnahmen erlauben es, Begriffe mit der Stimme der Lehrkraft und in den in der Klasse üblichen Formulierungen anzubieten. Das schafft Sicherheit und Wiedererkennung.
- Anpassung an Lesevoraussetzungen: Schriftart und -größe lassen sich auf einzelne Lernende abstimmen, etwa bei Sehbeeinträchtigungen oder im Erstleseunterricht.
- Unterstützte Kommunikation (UK): Symbole, die in der Klasse bereits zur Kommunikation genutzt werden, lassen sich als eigene Bilder einbinden. Übungen und Kommunikationshilfen bleiben so einheitlich.
- Reduktion und Struktur: Lehrkräfte bestimmen Umfang und Inhalt jeder Übung selbst. So lässt sich die kognitive Belastung gezielt steuern, was Lernenden mit Aufmerksamkeitsschwierigkeiten entgegenkommt.
Hinweis zur Motorik: Das Verschieben von Elementen setzt feinmotorische Fähigkeiten voraus. Im Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung sollte geprüft werden, ob die Bedienung mit dem Finger, mit Eingabestift oder mit alternativen Eingabegeräten gelingt.
Praktische Umsetzung
Eine Übung erstellen
- Den Schiebesachen-Editor im Browser öffnen und die Übung benennen.
- Die Zuordnungspaare anlegen: Für jedes Element Text, Bild (über die Bildersuche oder vom eigenen Gerät) und bei Bedarf eine Audioaufnahme hinterlegen.
- Die Darstellung festlegen: Schrift anpassen und die Sprachausgabe aktivieren oder deaktivieren.
- Die Übung selbst einmal durchspielen und prüfen.
- Die Übung als HTML-Datei speichern.
Einsatzwege der HTML-Datei
Jede Übung ist eine einzelne HTML-Datei. Sie öffnet sich in jedem aktuellen Browser und lässt sich ohne zusätzliche Software auf verschiedenen Wegen bereitstellen:
- Lokal vom Computer: Die Datei wird auf dem Rechner oder einem USB-Stick gespeichert und per Doppelklick geöffnet. Das eignet sich für Einzelarbeitsplätze und die gemeinsame Bearbeitung am digitalen Whiteboard.
- Auf dem iPad: Die Datei wird in einer Dateiverwaltungs-App wie Documents von Readdle abgelegt und dort geöffnet. So steht die Übung etwa in Freiarbeit oder Wochenplan direkt auf den Geräten der Lernenden zur Verfügung.
- Auf einer TaskCards-Pinnwand: Die Datei wird an eine Karte angehängt. Lernende öffnen die Übung direkt aus der Pinnwand, auf der auch die übrigen Materialien einer Unterrichtseinheit gesammelt sind.
- In einer Lernplattform: Die Datei lässt sich in Lernplattformen wie Moodle als Material in einen Kurs einbinden.
Besonderheit: ByCS-Lernplattform
In der Lernplattform der BayernCloud Schule (ByCS) genügt es, die Übung per Drag-and-Drop in einen Kurs zu ziehen. Die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler erscheinen anschließend in einer Lernstandsübersicht im Kurs. Lehrkräfte erhalten so ohne zusätzlichen Aufwand einen Überblick über den Bearbeitungsstand der Lerngruppe.
Datenschutz
Schiebesachen verarbeitet keine personenbezogenen Daten. Es gibt keine Benutzerkonten, keine Registrierung und keine Speicherung von Übungen oder Ergebnissen auf einem Server des Anbieters.
Was das konkret bedeutet
- Keine Anmeldung: Weder Lehrkräfte noch Lernende legen ein Konto an. Namen, E-Mail-Adressen oder Passwörter werden nicht erfasst.
- Speicherung nur auf dem eigenen Gerät: Die fertige Übung wird als Datei gespeichert und verbleibt dort, wo die Lehrkraft sie ablegt.
- Eigene Medien bleiben in der Datei: Eigene Bilder und Audioaufnahmen werden in die HTML-Datei eingebettet und nicht an einen Server übertragen.
- Keine Erfassung von Schülerergebnissen: Bearbeiten Lernende eine Übung, speichert oder übermittelt Schiebesachen ihre Eingaben nicht. (Außer bei Verwendung als Lernpaket in einer Lernplattform)
- Kein Tracking, keine Werbung: Es werden keine Analyse- oder Werbedienste eingesetzt.
Bildersuche und Sprachausgabe
Zwei Funktionen berühren technisch bedingt externe Dienste. Daten der Lernenden sind dabei nicht betroffen.
- Bildersuche: Die Lehrkraft nutzt die Suche im Editor. Übermittelt wird nur der Suchbegriff, etwa „Apfel“, sowie – wie bei jedem Webseitenaufruf – die IP-Adresse des Geräts.
- Sprachausgabe: Die optionale Sprachausgabe nutzt die Stimmen des Browsers bzw. Betriebssystems. Bei den meisten Stimmen erfolgt die Ausgabe lokal auf dem Gerät; einige Browser bieten zusätzlich Online-Stimmen an, bei denen der vorzulesende Text an den Browserhersteller übertragen werden kann.
Einbindung in Lernplattformen
Wird die Übung in die ByCS-Lernplattform eingebunden, erfasst die Plattform die Bearbeitungsergebnisse für die Lernstandsübersicht. Diese Verarbeitung erfolgt innerhalb der schulischen Lernplattform und unterliegt deren Datenschutzregelungen, nicht durch Schiebesachen.
Hinweis zu eigenen Fotos und Aufnahmen
Bei eigenen Fotos gilt das Recht am eigenen Bild: Erkennbare Personen, insbesondere Schülerinnen und Schüler, sollten nur mit Einwilligung abgebildet werden. Das gilt ebenso für Audioaufnahmen, in denen Lernende zu hören sind. Für Zuordnungsübungen genügen in der Regel Fotos von Gegenständen, Räumen oder Händen.
Methodisch-didaktische Hinweise
Planung und Gestaltung
- Vom Konkreten zum Abstrakten: Handelnde Erfahrungen mit realen Gegenständen sollten der digitalen Übung vorausgehen. Anschließend können Realfotos schrittweise durch Piktogramme und schließlich durch Schrift ersetzt werden.
- Umfang klein halten: Mit drei bis vier Zuordnungspaaren beginnen. Den Umfang erst steigern, wenn die Bedienung sicher beherrscht wird.
- Konsistente Gestaltung: Dieselbe Schrift und dieselben Symbole verwenden wie auf Arbeitsblättern und Kommunikationshilfen der Klasse.
- Differenzierung durch Varianten: Dieselbe Übung in mehreren Fassungen speichern, zum Beispiel mit Bild und Ton, nur mit Bild oder nur mit Schrift. So arbeiten alle Lernenden am gleichen Inhalt auf unterschiedlichem Niveau.
Sprachausgabe und Audio gezielt einsetzen
- Leseübungen: Steht das Erlesen im Mittelpunkt, bleibt die Sprachausgabe deaktiviert. Andernfalls ersetzt das Zuhören den Leseprozess.
- Begriffsbildung und Sachunterricht: Geht es um Wortschatz oder Sachwissen, entlastet die Sprachausgabe leseschwache Lernende und hält den Fokus auf dem Inhalt.
- Eigene Aufnahmen: Bei Begriffen mit regionaler oder fachspezifischer Aussprache sind eigene Aufnahmen der Sprachausgabe oft überlegen.
Unterrichtsorganisation
- Bedienung modellieren: Die Schiebebewegung zunächst am digitalen Whiteboard vormachen und gemeinsam ausprobieren, bevor Lernende selbstständig arbeiten.
- Analoge Verknüpfung: Dieselben Bilder als ausgedruckte Bildkarten nutzen. Die digitale Übung setzt dann eine bekannte, handelnde Aufgabe fort.
- Lernende als Ersteller: Aufgrund der einfachen Bedienung können Schülerinnen und Schüler selbst Übungen für Mitschülerinnen und Mitschüler erstellen (Lernen durch Lehren).
- Lernstandsübersicht reflektiert nutzen: In der ByCS liefern die Ergebnisse Hinweise für Förderplanung und Differenzierung. Sie ersetzen jedoch nicht die Beobachtung des Lernprozesses.
Fazit
Schiebesachen greift ein bewährtes Aufgabenformat auf und ergänzt es um Funktionen, die im inklusiven Unterricht häufig fehlen: anpassbare Schriften, eigene Bilder, eigene Audioaufnahmen und eine optionale Sprachausgabe. Die Übungen entstehen ohne Anmeldung, sind kostenlos und verarbeiten keine Schülerdaten.
Als einzelne HTML-Datei lassen sie sich flexibel einsetzen, vom Einzelarbeitsplatz über das iPad und TaskCards bis zur ByCS-Lernplattform mit Lernstandsübersicht. Damit eignet sich der Editor für Förderschulen ebenso wie für inklusive Lerngruppen an Regelschulen.