Veröffentlicht in Apps, KI, Programmieren, WebApp

Vibe-Coding: Was ist das? Und kann ich das auch?

Vibe-Coding ermöglicht es Lehrkräften, komplexe Web-Apps allein durch natürliche Sprache zu erstellen. Der Artikel zeigt, wie KI-Modelle den Programmiercode erstellen, um maßgeschneiderte, barrierefreie Lernanwendungen für den inklusiven Unterricht zu entwickeln ohne dass eine einzige Zeile Code selber geschrieben werden muss.

Die rasante Entwicklung von KI-Modellen ermöglicht uns auch das Erstellen eigener Apps. Während visuelle Programmier-Umgebungen wie Scratch wertvolle Einstiege in die Welt des Programmierens bieten, stoßen sie bei komplexen, funktionalen Anwendungen oft an Grenzen. Hier setzt Vibe-Coding an. Es beschreibt einen Prozess, bei dem nicht mehr die Beherrschung einer Programmiersprache im Vordergrund steht, sondern die präzise Beschreibung einer Idee. Für die Sonderpädagogik eröffnet dies die Chance, digitale Hilfsmittel exakt auf die individuellen Bedürfnisse von Lernenden zuzuschneiden.

Beispiele

https://go.lernsachen.online/silbenhelfer

https://go.lernsachen.online/jukebox

https://go.lernsachen.online/timer

Was ist Vibe-Coding?

Vibe-Coding bedeutet, dass die KI den gesamten Programmcode schreibt. Der Nutzer agiert als Architekt und Ideengeber. Anstatt Zeile für Zeile Code zu tippen, vermittelt man der KI den „Vibe“ – also das Aussehen, das Verhalten und die Funktionen des gewünschten Programms. Die Kompetenz verschiebt sich vom Schreiben von Code hin zum instruktiven Design und zur Fehleranalyse im Dialog.

Welche Werkzeuge werden benötigt?

Grundsätzlich kann jedes Large Language Model (LLM), also jeder Chatbot Code generieren. Für optimale Ergebnisse haben sich jedoch spezialisierte oder besonders fähige Modelle etabliert:

  • Claude 3.5 Sonnet (Anthropic): Gilt aktuell als eines der stärksten Modelle für Coding-Aufgaben, da es sehr präzise Logik liefert.
  • ChatGPT (OpenAI / Codex): Der Klassiker, der besonders durch seine weite Verbreitung und gute Dokumentation überzeugt.
  • Gemini 1.5 Pro (Google): Punktet durch ein sehr großes Kontextfenster, was bei umfangreicheren Programmen hilfreich ist.

Der Prozess: Von der Beschreibung zur fertigen App

Die Programmentwicklung verläuft iterativ in einem Chat-Dialog:

  1. Initialer Prompt: Erstellen Sie eine detaillierte Beschreibung. Beispiel: „Erstelle eine Web-App mit einem großen roten Button. Wenn man ihn drückt, erscheint ein zufälliges Tierbild und der Name des Tieres wird vorgelesen.“
  2. Strukturvorgabe: Definieren Sie das Layout (z. B. „nutze ein klares, kontrastreiches Design für Schüler mit Sehbeeinträchtigung“).
  3. Debugging & Testing: Das Programm wird lokal getestet. Funktioniert etwas nicht? Kopieren Sie die Fehlermeldung zurück in den Chat. Die KI korrigiert den Code umgehend.
  4. Verfeinerung: In kleinen Schritten werden Funktionen hinzugefügt (z. B. eine Belohnungsanimation nach fünf richtigen Antworten).

Das Zielformat: Die Web-App

Für den schulischen Einsatz ist die Erstellung einer Web-App (bestehend aus HTML, CSS und JavaScript) am effizientesten.

  • Vorteile: Sie benötigen keine Installation. Eine einzige .html-Datei reicht aus, um die App im Browser zu öffnen – sei es am Smartboard, am PC oder am iPad (z. B. via Documents by Readdle).
  • Einschränkungen: Es handelt sich meist um statische Webseiten. Das bedeutet, Daten (wie Spielstände) werden nach dem Neuladen der Seite gelöscht, sofern kein lokaler Speicher des Browsers genutzt wird.
  • Externe Libraries: Um Funktionen wie komplexe Diagramme oder physikalische Simulationen zu nutzen, kann die KI externe Bibliotheken einbinden (z. B. p5.js für kreatives Programmieren oder Howler.js für fortgeschrittene Audio-Funktionen).

Umgang mit Bildern

Da eine Web-App oft nur aus einer Textdatei besteht, können Bilder nicht einfach „beigelegt“ werden. Hier gibt es vierStrategien:

  • Emojis: Die einfachste Lösung für Symbole und einfache Grafiken.
  • Font Awesome / Lucide Icons: Einbindung von Icon-Bibliotheken via URL, um professionelle Symbole zu nutzen.
  • Verlinkung: Es können Bilder, die im Internet zu Verfügung stehen, über Verlinkungen angezeigt werden. Es müssen hierfür natürlich Lizenzrechte beachtet werden
  • Base64-Codierung: Das Bild wird komplett in eine lange Textkette umgewandelt und direkt in den Code eingebettet. Die KI kann dies auf Anfrage für kleine Icons erledigen.

Sonderpädagogischer Bezug und Einsatzmöglichkeiten

Vibe-Coding ist ein mächtiges Werkzeug für die Diklusion (Digitale Inklusion), da es Lehrkräften ermöglicht, Barrieren abzubauen, für die es keine kommerziellen Lösungen gibt:

  • Individuelle Assistenz-Tools: Erstellung von spezialisierten Kommunikationstafeln oder Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Sprachausgabe für Schüler im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.
  • Barrierefreie Lern-Lektionen: Umwandlung von analogen Arbeitsblättern in interaktive Formate mit einstellbaren Schriftgrößen, hohen Kontrasten und Screenreader-Optimierung.
  • Verhaltenstraining: Kleine Apps zur Selbstregulation (z. B. ein visueller Timer oder ein digitales Mood-Board), die exakt die Verstärker nutzen, auf die ein spezifischer Schüler anspricht.
  • Kognitive Entlastung: Erstellung extrem reduzierter Benutzeroberflächen („Minimal Interfaces“), die Ablenkungen minimieren und den Fokus auf eine einzige Aufgabe lenken.

Veröffentlicht in KI, Programmieren, Scratch, WebApp

Künstliche Intelligent einfach mit Scratch erklären – Die Nasen-Schreib Übung

Die Face Sensing Erweiterung ist aus dem Versuchslabor Scratch Lab endlich als neue Erweiterung in die kostenlose online Scratch Programmierumgebung eingezogen (Scratch – Imagine, Program, Share) und bringt künstliche Intelligenz direkt ins Klassenzimmer – und das auf eine Weise, die Schülerinnen und Schüler sofort verstehen und erleben können. Die Erweiterung nutzt maschinelles Lernen, um Gesichter über eine Webcam zu erkennen und verschiedene Gesichtsbereiche wie Nase, Mund, Augen und Ohren zu verfolgen.

Datenschutz im Fokus: Sicher experimentieren

Ein entscheidender Vorteil für den Schulbereich: Die Face Sensing Extension verarbeitet alle Kamerabilder ausschließlich lokal auf dem Gerät. Keine Daten werden gespeichert oder an externe Server übertragen. Dies macht die Technologie datenschutzrechtlich unbedenklich für den Einsatz in Schulen und ermöglicht es Lehrkräften, KI-Konzepte ohne Bedenken zu thematisieren.

Einfache Programmierung mit großer Wirkung

Die Face Sensing Blöcke funktionieren nach dem bewährten Scratch-Prinzip: Einfache, farbkodierte Befehlsblöcke ermöglichen es auch Programmieranfängern, schnell erste Erfolge zu erzielen. Mit Befehlen wie „Gehe zur Nase“ oder „Folge dem Kopf“ können Sprites (digitale Figuren) präzise auf Gesichtsbewegungen reagieren.

Grundlegende Funktionen der Erweiterung:

  • Erkennung von acht verschiedenen Gesichtsbereichen (Nase, Mund, linkes/rechtes Auge, zwischen den Augen, linkes/rechtes Ohr, Kopfoberseite)
  • Automatische Größenanpassung basierend auf der Entfernung zur Kamera
  • Kopfneigung wird erkannt und kann zur Sprite-Steuerung genutzt werden

Praxisbeispiel: Die Nasen-Schreib-Übung

Ein besonders anschauliches Beispiel für den Unterrichtseinsatz ist die Nasen-Schreib-Übung: Ein blauer Ball folgt der Nase der Person vor der Kamera. Auf dem Bildschirm sind Kugeln in Buchstabenform angeordnet, die nacheinander mit dem nasengesteuerten Ball berührt werden müssen. Diese Übung demonstriert auf spielerische Weise, wie KI Gesichtserkennung funktioniert und macht abstrakte Konzepte konkret erfahrbar.

https://scratch.mit.edu/projects/1226819948

Kreative Möglichkeiten für den Unterricht

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und fördern verschiedene Kompetenzen:

Technische Bildung:

  • Verständnis für maschinelles Lernen entwickeln
  • Grundlagen der Gesichtserkennung verstehen
  • Programmierkonzepte praktisch anwenden

Kreative Projekte:

  • Virtuelle Hüte oder Masken, die Kopfbewegungen folgen
  • Interaktive Spiele, die auf Gesichtsausdrücke reagieren
  • Digitale Kunstprojekte mit Gesichtssteuerung

Fazit

Face Sensing in Scratch macht künstliche Intelligenz greifbar, erlebbar und verständlich – eine ideale Grundlage für die KI-Bildung von morgen.

Veröffentlicht in Fortbildung, Informatik, Internet, WebApp

Scratch Finale – Türchen 24

Bravo an alle, die durchgehalten haben. Heute gibt es das große Finale im Scratch Adventskalender.

Ihr könnt jetzt Figuren animieren, Variablen, Schleifen und Bedingungen einsetzen, Musik erzeugen, Sprachausgaben benutzen, Zufallszahlen berechnen, Interaktionen abfragen und algorithmisch denken.

Und passend zu Weihnachten gibt es ein Geschenk. Keine kniffelige Aufgabe im letzten Türchen sondern einfach nur ein Spiel. Zum Entspannen, Spaß haben und Rekorde knacken.

Der Kalender bleibt natürlich noch eine ganze Weile online, für alle, die noch ein paar Lektionen nachholen wollen. Es wird im nächsten Jahr diesen Scratch Programmierkurs mit zusätzlichen Materialien auch in einem anderen Format geben, so dass man ihn auch in Zukunft für sich selbst oder im Unterricht einsetzen kann.

Ich hoffe es hat Euch Spaß gemacht und wir konnten ein paar Menschen motivieren, sich mit unserer Begeisterung für das Programmieren anzustecken.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch! Bis bald.

https://scratch.mit.edu/projects/764756512/fullscreen/

Veröffentlicht in Fortbildung, Informatik, Lernprogramme, Programmieren, Scratch

Scratch Adventskalender 2022

Endlich ist es soweit!

Auch der Lernsachen.blog bietet einen digitalen Adventskalender an. Und ihr dürft Euch auf etwas ganz besonderes freuen:

Machst Du gern Kreuzworträtsel, Sudoku oder Wordle? Dann schau Die die 24 Scratch – Programmierhäppchen im Adventskalender an. Auch wenn Du noch nie etwas programmiert hast!
Hinter jedem Türchen steckt eine Programmieraufgabe, ein Video von der Lösung, ein Link zu einem Beispielprojekt mit allen benötigten Bausteinen, und eine Schritt für Schritt Anleitung, wie man das selber umsetzen kann. Du brauchst keine Software, keine App, alles funktioniert einfach im Browser.

Du lernst dabei einfache Programme zu coden, Bilder zu erstellen, zu bewegen und zu animieren, mit Code Zeichnungen zu erstellen, Musik zu machen und vieles mehr.

Mache Dir einen Bookmark auf die Seite, jeden Tag ab 1.12.2022 kommt ein neues Scratch Häppchen dazu.

Besonderer Dank geht an Rafael Marks (https://twitter.com/Rafael_Marks_) der mich tatkräftig beim Erstellen der Beispiele und der Anleitungen unterstützt hat.

Außerdem Danke an Oliver Tacke (https://twitter.com/otacke) der die Adventskalender H5P Aktivität entwickelt hat.

Und an Lumi Education (https://app.lumi.education/). Hier kann man die H5P Aufgaben online und offline erstellen und auch per Link zur Verfügung stellen.

Und natürlich Danke an das Scratch Team (Scratch – Über Scratch (mit.edu)). Diese inspirierende und kreative Programmierumgebung, die für alle kostenfrei zur Verfügung steht.

Veröffentlicht in Podcast

Informatik und Programmieren – Christian Mayr

Podcast „Das Digitale Duett“, Episode #15

Christian Mayr ist nicht nur Lehrer, er gestaltet auch innovative E-Learning Fortbildungen und entwickelt als selfmade Programmierer eigene Apps. In dieser Episode sprechen wir unter anderem über die Bedeutung des Lernbereichs Informatik und darüber, wie man möglichst einfach Zugang zum Thema Programmieren bekommen kann.

Wo kann man den Podcast hören:

Gast: Christian Mayr, Akademiereferent an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen

Links

www.herrmayr.de
www.hyfee.de
www.portalms.de
www.letuslisten.net

Kontakt: 

https://twitter.com/@herrmayr

Präsentiert von: https://lernsachen.blog 

Podcast Das Digitale Duett: 

https://anchor.fm/lernsachen

Veröffentlicht in COVID19, Informatik, Internet, Programmieren, Scratch

Einen Lüften Timer in Scratch programmieren

Im Winter soll alle 20 Minuten für etwa 5 Minuten im Klassenzimmer gelüftet werden. Es wäre gut, wenn man hierfür einen speziellen Timer hätte, der einen an die Zeiten erinnert. Mit Scratch kann man so etwas in ein paar Minuten selber programmieren und damit sogar eine Informatik Stunde gestalten. Das Ergebnis kann über einen Link auf jedem Endgerät abgerufen werden. Die Anleitung dazu gibt es im Video.

https://scratch.mit.edu/projects/440482866

Veröffentlicht in Informatik, Lernprogramme, Mathe, Programmieren, Scratch

Der Lernsachen Kiosk – Eine WebApp zum Üben des Rechnens mit Geld

Nach vielfachem Wunsch ist es mir jetzt endlich gelungen, eine Kiosk App mit Scratch zu entwickeln. Hier können Bezahlvorgänge mit Wechselgeld geübt werden, wobei die Summen und Beträge nicht nur numerisch angezeigt werden, sondern auch per Sprachausgabe vorgelesen und mit Geldsymbolen dargestellt werden. Die verwendeten Waren Angebote und Preise können individuell angepasst werden.

„Der Lernsachen Kiosk – Eine WebApp zum Üben des Rechnens mit Geld“ weiterlesen